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UV-Technik für Automatisierung und Prozessintegration

UV-Prozessintegration bezeichnet die Einbindung ultravioletter Strahlungsquellen und der zugehörigen Messtechnik in automatisierte Fertigungsabläufe, sodass die Strahlung nicht länger als Anlagenzustand, sondern als geregelte und dokumentierte Prozessgröße geführt wird. Technisches Ziel ist ein reproduzierbarer photochemischer oder photobiologischer Effekt – Aushärtung, Oberflächenaktivierung, Entkeimung, Fluoreszenzanregung – unter wechselnder Taktzeit, Quellenalterung und Bauteilgeometrie.

Entscheidend sind dabei nicht Lampenleistung oder Betriebsstunden, sondern die am Wirkort tatsächlich ankommende Bestrahlungsstärke E in W/m², die daraus zeitlich integrierte Bestrahlung H in J/m², die spektrale Verteilung der Quelle und die zeitliche Auflösung der Messung. Die zentrale Herausforderung liegt darin, diese Größen im laufenden Prozess mit bekannter Messunsicherheit zu erfassen und maschinenlesbar an die Steuerung zu übergeben.

Wie entwickeln sich Markt und Technologie?

Für das Themenfeld „UV-Messtechnik in automatisierten Prozessen“ existiert keine eigenständige, belastbare Marktgröße. Als Marktindikatoren eignen sich drei angrenzende, methodisch strikt zu trennende Märkte; eine Addition ist wegen Doppelzählung unzulässig.

Der Markt für UV-Härtungssysteme wird je nach Abgrenzung sehr unterschiedlich beziffert: 6,71 Mrd. USD (2025) mit 17,12 % CAGR bis 2031, wenn Anlagen und Materialien gezählt werden, gegenüber 2,78 Mrd. USD (2025) mit 8,3 % CAGR bis 2032 für Systeme ohne Materialien. Beide Werte sind plausibel – sie messen Unterschiedliches. Für die Automatisierungsfrage relevanter als die Absolutzahl ist die Strukturangabe, dass 2025 bereits 46,6 % der Systeme vollautomatisiert ausgeführt waren und inline- bzw. produktionsintegrierte Systeme ein Volumen von 927,1 Mio. USD erreichten.

Der industrielle Automatisierungsmarkt liegt für 2025 zwischen 221,64 Mrd. USD und 272,51 Mrd. USD bei 9,80 % CAGR, mit 32,99 % europäischem Anteil; industrielle Sensorik ist mit rund 30 Mrd. USD und etwa 9 % CAGR der konsistenteste Referenzmarkt. Der UV-Sensormarkt selbst taugt kaum als Indikator: Die Angaben streuen zwischen 192,68 Mio. USD (2024) und 5,81 Mrd. USD (2025) – Faktor über 25, weil keine der geprüften Studien definiert, ob Sensorchips, Radiometer oder Messsysteme gezählt werden.

Die technologische Verschiebung ist besser belegt als die Marktgröße. Quecksilberlampen halten noch etwa die Hälfte des Umsatzes (52,42 % bzw. 49,2 % für 2025), während über 55 % der neu ausgelieferten Systeme LED-basiert sind – Bestandsumsatz und Neuinstallationsanteil sind hier auseinanderzuhalten. Regulatorisch wirkt die RoHS-Ausnahme für Quecksilber-UV-Härtungslampen, die nur noch bis Anfang 2027 verlängert wurde.

Die Wirkungskette ist damit nachvollziehbar: Der Übergang zu schmalbandigen LED-Quellen und höheren Automatisierungsgraden bringt gepulsten Betrieb, kürzere Taktzeiten und segmentierte Strahlerfelder – und erhöht damit die Anforderungen an die Messung. Ein Breitbandsensor, der an einer Quecksilberlampe eingesetzt wurde, ist an einer 385-nm-LED nicht mehr ohne Weiteres gültig, und eine Abtastrate, die bei 25 m/min ausreichte, verfehlt bei 120 m/min den Bestrahlungspeak.

Erstens verschiebt sich die Regelung von der Stellgröße zur Zielgröße. Statt der Lampenleistung wird die am Substrat ankommende Dosis geregelt – in Serienprodukten mit 128 Samples/s, 1 mW/cm² Auflösung und einem Zielwert von 50 mJ/cm² ± 10 %, im Pilotbetrieb mit über die Arbeitsbreite bewegtem Sensor und Testbetrieb bis 250 m/min.

Zweitens steigt die Effizienz der UV-C-LEDs sprunghaft: 200 mW bei 265 nm mit 10,2 % Wall-Plug-Efficiency, PTB-validiert, gegenüber 5,3 % beim Vorgänger. Das verschiebt die Wirtschaftlichkeitsgrenze gegenüber Quecksilberlampen, während Far-UVC bei 222 nm weiterhin bei rund 1 % liegt.

Drittens wird Selbstbeschreibung von Feldgeräten zur Erwartung – getrieben durch IO-Link, OPC UA FX und die Verwaltungsschale. Viertens entsteht mit IEC TR 63381:2025 erstmals eine Guidance zur Feldinspektion der UV-Emission, die instabile Netzspannung, Temperatur und Emitter mit unbekanntem Alterungszustand adressiert.

Zurückhaltung ist bei drei Begriffen angebracht: „Predictive Maintenance“ bezeichnet bei UV-Anlagenherstellern überwiegend Condition Monitoring mit Betriebsstundenzähler und Schwellwertalarm; „digitale Zwillinge“ von UV-Anlagen existieren bislang als Cloud-Datenspiegel, nicht als simulationsgekoppelte Modelle; und bei „KI-gestützter Härtung“ ist keine radiometrische Rückführung der tatsächlichen Bestrahlungsstärke belegt – der Regelkreis schließt sich über Auftragsdaten und Anwenderfeedback.

Wie funktioniert die messtechnische Erfassung von UV-Strahlung?

Industrielle UV-Sensorik beruht auf innerem Photoeffekt: Photonen mit ausreichender Energie erzeugen im Halbleiter Ladungsträgerpaare, der resultierende Photostrom wird über einen Transimpedanzverstärker in eine Spannung gewandelt und digitalisiert. Ein breitbandiger Prozesssensor besteht aus Eingangsfenster (üblicherweise Quarzglas, da Kalk-Natron-Glas unterhalb etwa 300 nm praktisch opak ist), Diffusor zur Herstellung der Kosinus-Charakteristik, Filterstack aus Interferenz- und Farbglasfiltern, Detektor sowie Signalkette. Das Ausgangssignal ist kein „UV-Wert“, sondern das Integral

i = ∫ E(λ) · S(λ) dλ

über die Produkte aus spektraler Bestrahlungsstärke und der realisierten spektralen Empfindlichkeit S(λ) des Sensors. Jeder Messwert gilt daher nur in Verbindung mit dem Sensorband und der Quelle, für die kalibriert wurde. Wie UV-Sensoren aufgebaut sind und was ihre spektrale Empfindlichkeit bestimmt, zeigt im Detail die Seite Wie UV-Sensoren funktionieren.

Welche Technologien werden eingesetzt?

Detektorseitig konkurrieren vier Prinzipien. Silizium-Photodioden sind der Standard und benötigen zur UV-Selektivität einen Filterstack; Siliziumkarbid und Galliumphosphid setzen sich im UV-C durch, weil sie intrinsisch visible-blind sind. AlGaN-Detektoren bieten einstellbare Bandkanten, degradieren unter Prozessbedingungen aber deutlich stärker. Spektralradiometer lösen die Wellenlängenverteilung auf und umgehen die spektrale Fehlanpassung, sind jedoch langsamer und aufwendiger.

TechnologieCharakteristikVorteileGrenzenTypische Anwendung
Si-Photodiode mit Filterstackbreitbandig, Bandlage durch Interferenz- und Farbglasfilter definierthohe Empfindlichkeit, linear, kostengünstig, µs-Zeitkonstantefilterabhängig; nicht UV-optimierte Typen verlieren bei 200 nm nahezu die gesamte Empfindlichkeit, UV-optimierte unter 5–6 %Inline-Überwachung UV-A/UV-B in Härtung und Druck
SiC-Photodiodeintrinsisch visible-blind, große Bandlücke90 h bei 60 mW/cm² und 80 °C ohne messbare Degradation; bei 350 °C nur −12 % in den ersten 120 h, danach stabilgeringere Empfindlichkeit; 120-h-Burn-in vor Baseline nötigUV-C-Desinfektion, heiße Härtungstunnel
AlGaN-Photodiodeeinstellbare Bandkante über Al-Gehaltspektral selektiv ohne zusätzlichen Filterstackim selben Test ca. −85 % Empfindlichkeitsverlust nach 90 h bei 60 mW/cm² und 80 °C, damit eingeschränkt bei hoher UV- und Temperaturlastschmalbandige Speziallösungen mit definierter Bandkante bei moderater Temperatur- und Dosislast
Spektralradiometerwellenlängenaufgelöste Messung 200–1100 nmumgeht spektrale Fehlanpassung, ermöglicht Mismatch-Korrektur nach CIE 220:2016träger, teurer, selten inline-tauglichReferenzmessung, Sensorabgleich, Quellencharakterisierung

Quellenseitig stehen Quecksilber-Mitteldrucklampen (breitbandig UV-C bis UV-A, 400 W bis 24 kW) und Niederdrucklampen (ca. 254 nm, UV-Ausbeute bis etwa 40 %) den schmalbandigen UV-LEDs bei 365, 385, 395 und 405 nm gegenüber. Die Wahl der Quelle bestimmt unmittelbar die Anforderung an den Sensor: Je schmaler das Emissionsspektrum, desto empfindlicher reagiert ein Breitbandsensor auf Fehlanpassung.

Welche Prozessgrößen sind entscheidend?

Bestrahlungsstärke E (W/m²) ist die momentane Leistungsdichte am Wirkort und entscheidet darüber, ob eine Photoreaktion überhaupt startet – bei radikalischer Polymerisation ist eine Mindestbestrahlungsstärke Schwellwertbedingung.

Bestrahlung H (J/m², industriell „Dosis“) ist das Zeitintegral H = ∫ E(t) dt und bestimmt den erreichten Umsatzgrad. Zur Umrechnung: 10 W/m² entsprechen 1 mW/cm². Ein Prozessfenster ist deshalb stets zweidimensional zu spezifizieren – mit Emin/Emax und Hmin/Hmax.

Spektralverteilung: Da die Wirkung wellenlängenabhängig ist und der Sensor spektral wichtet, ist ein Messwert ohne Angabe des Spektralbands nicht interpretierbar.

Abtastrate und Integrationszeit: Die Dosis entsteht messtechnisch als Summe diskreter Abtastwerte; ihre Qualität ist direkt eine Funktion der Abtastrate.

Geometrie und Abstand: Das Abstandsquadratgesetz gilt nur näherungsweise für punktförmig wirkende Quellen; als Faustregel ist r ≥ 10 · d einzuhalten, wobei d die größte Abmessung der emittierenden Fläche ist. Messwerte bei kleinerem Abstand sind gültig, dürfen aber nicht per 1/r² umgerechnet werden.

Temperatur wirkt auf beiden Seiten: UV-C-LEDs zeigen Temperaturkoeffizienten der Strahlungsleistung zwischen −0,8 %/K und +0,4 %/K, und pro 10 °C höherer Junction-Temperatur halbiert sich die L70-Lebensdauer.

Was begrenzt den Prozess oder führt zu Fehlern?

Der häufigste Fehlschluss ist die Gleichsetzung von elektrischer Leistung mit optischer Dosis. Zwischen Leistungsaufnahme und Wirkung am Bauteil liegen Wandlungswirkungsgrad, Quellenalterung, Reflektorverschmutzung, Fenstertransmission, Abstand und Einfallswinkel. Belegt ist etwa, dass UV-C-LEDs in den ersten rund 100 Betriebsstunden auf 50–70 % des Anfangswerts abfallen, ohne defekt zu sein – deshalb sollte die Baseline erst nach 100–200 h Einfahrzeit gemessen werden.

Ebenso unzureichend ist eine reine Zeitangabe. H = E · t setzt zeitlich konstante Bestrahlungsstärke voraus – eine Bedingung, die bei alternden Lampen, PWM-Dimmung und bewegten Substraten nicht erfüllt ist.

Die dritte typische Fehlannahme betrifft den Messort. Eine Messung neben dem Prozessort erfasst weder Abschattung durch das Bauteil noch die tatsächliche Fügespaltgeometrie. Umgekehrt greift eine Messstange im Strahlengang selbst in den Prozess ein: Bei 13 mm Abstand wurden 4,83 % Energieverlust und ein Rückgang der Spitzenbestrahlungsstärke um 13,85 % gemessen, bei 38 mm nur noch 0,8 % bzw. 2,3 %.

Unterschätzt wird schließlich die Alterung des Messmittels selbst. Solarisation verfärbt Gläser, Photodarkening senkt die Transmission von Farbglasfiltern gleichmäßig über das Spektrum, und Kohlenwasserstoffe polymerisieren unter UV auf optischen Flächen; bereits 8 h bei 253,7 nm und nur 10,5 µW/cm² erhöhten den Dunkelstrom einer Si-Photodiode um 10,2 %. Ein fest verbauter Sensor ohne periodischen Referenzabgleich verschiebt daher zwangsläufig das dokumentierte Prozessfenster.

Wie wirken Material, Spektrum und Geometrie zusammen?

Die spektrale Fehlanpassung ist bei schmalbandigen Quellen häufig der größte Einzelbeitrag zur Messunsicherheit. Vergleichsmessungen mit vier frisch kalibrierten Radiometern an UV-LEDs ergaben mit spektral passendem Instrument etwa ±5 %, mit unpassendem Band dagegen Abweichungen von 9 bis 91 % – konkret eine Unterschätzung um 65 % bei 385 nm und eine Überschätzung von über 40 % bei 405 nm. Verbandsliteratur nennt für einen UV-A-Sensor mit 375-nm-Schwerpunkt an einem 395-nm-System eine Unterschätzung um rund 75 %. Für breitbandige Quellen quantifiziert CIE 220:2016 dasselbe Problem über Mismatch-Faktoren: 1,5 % Spanne bei den CIE-Referenzspektren, aber Faktor 1,377 bei Hg-Niederdruck und 1,360 bei Hg-Mitteldruck.

Normband, Sensorband, Herstellerband

Die Bandgrenzen selbst sind nicht eindeutig. Die CIE definiert UV-A als 315–400 nm und weist ausdrücklich darauf hin, dass eine präzise Grenze zwischen UV und sichtbarer Strahlung nicht definierbar ist. ISO 20473:2007 begrenzt UV-A dagegen auf 315–380 nm und verweist in einer Fußnote selbst auf die abweichende 400-nm-Grenze. Sonnenschutznormen setzen die UV-A/UV-B-Grenze bei 320 statt 315 nm. Dasselbe Etikett „UVA“ kann folglich 315–400, 315–380, 320–400, 320–390 oder – über 10-%-Punkte definiert – 309–367 nm bedeuten.

Der Sonderfall 405 nm zeigt die praktische Konsequenz: Normativ liegt diese Wellenlänge im sichtbaren violetten Bereich, industriell wird sie als UV-Härtungswellenlänge geführt. ISO 3059 verlangt für UV-A-Messgeräte in der Rissprüfung bei 405 nm sogar eine relative Empfindlichkeit unter 2 % – dieselbe Wellenlänge ist in der Härtung Nutz-, in der zerstörungsfreien Prüfung Störstrahlung. Herstellerbänder wie UVA+ (330–455 nm) oder UVBB (230–400 nm) sind bewusst prozessangepasst und ausdrücklich nicht normativ. Eine Übersicht der Spektralbereiche und ihrer normativen Grenzen gibt die Seite Richtlinien, Normen und Standards im UV.

Expertenblock: Photonenenergie, Dosisintegral und Reziprozität

Die Wirksamkeit einer UV-Quelle beginnt bei der Energie des einzelnen Photons:

EPh = h · c / λ
mit h = Planck-Konstante, c = Lichtgeschwindigkeit und λ = Wellenlänge.

Bei 365 nm entspricht das rund 3,4 eV, bei 254 nm rund 4,9 eV. Nur Photonen oberhalb der Aktivierungsschwelle eines Photoinitiators oder oberhalb der Absorptionsbande der DNA lösen die gewünschte Reaktion aus – weshalb dieselbe Bestrahlungsstärke bei unterschiedlicher Wellenlänge völlig verschiedene Prozessergebnisse liefert. Dieselbe Energieskala erklärt, warum Photoionisationsdetektoren mit 8,4 bis 10,6 eV im Vakuum-UV arbeiten müssen.

Die zweite Kerngleichung ist das Dosisintegral H = ∫ E(t) dt. Die verbreitete Vereinfachung H = E · t entspricht dem Bunsen-Roscoe-Reziprozitätsprinzip: Gleiche Dosis soll gleiche Wirkung erzeugen, unabhängig von der Aufteilung in Intensität und Zeit. Voraussetzungen sind eine zeitlich konstante Bestrahlungsstärke und eine lineare, nicht sättigende Photoreaktion. Für Solarien wird dieser Sonderfall explizit erst „nach Einbrennen der Lampen und bei konstanten Betriebsbedingungen“ zugelassen.

Modellgrenzen: In der radikalischen Polymerisation gilt Reziprozität nicht durchgängig, weil eine Mindestbestrahlungsstärke den Reaktionsstart bedingt und Sauerstoffinhibition sowie Wärmeeintrag intensitätsabhängig wirken. Ein dokumentierter Vergleich zeigt das quantitativ: Ein 365-nm-System mit 21 ms Puls, 85 % Duty-Cycle und 460 mW/cm² Spitzenwert erreichte in 25 s 10 J/cm² bei 40 °C Substrattemperatur, während CW-Betrieb mit 520 mW/cm² 14 J/cm² und 65 °C erforderte – oberhalb von 220 mW/cm² CW trat Substratschaden auf. Weniger Dosis führte hier zum besseren Ergebnis; das reine Produkt E · t hätte die falsche Auslegung nahegelegt.

Praktische Konsequenz: Bei getakteten Quellen ist die Dosis als echtes Zeitintegral mit dokumentierter Abtastrate zu erfassen, und im Prozessprotokoll sind CW-Mittelwert, Peakwert und Dosis getrennt auszuweisen. Ein Messgerät kann bei identischer Energiedichte je nach Abtastung stark abweichende Peakwerte anzeigen – beide Werte sind formal korrekt, aber unterschiedlich definiert.

Rechenbeispiel: Welche Abtastrate braucht eine Bahnanlage?

Annahmen: LED-Array mit L = 25 mm Fensterlänge in Bahnrichtung, Bahngeschwindigkeit v = 120 m/min = 2 m/s. Gefordert werden N = 20 Abtastwerte innerhalb der Bestrahlungszone; unter fünf Werten gilt die Peakerfassung als kritisch.

Modell: fs ≳ N · v / L

Rechnung: fs ≥ 20 · 2 m/s / 0,025 m = 1.600 Hz

Ergebnis und Interpretation: Erforderlich sind mindestens rund 1.600 Hz; die in der Praxis empfohlenen 2.048 Hz für schnelle LED- und Digitaldruckanwendungen liegen konsistent darüber. Ein Gerät mit 128 Hz erfasst bei 400 ft/min nur noch etwa 1,2 Abtastwerte im Peakbereich einer Quecksilberlampe bzw. 1,6 unter einer LED – die Dosis kann dabei noch plausibel wirken, während der Peakwert praktisch zufällig wird. Als Diagnoseregel gilt: Eine große Lauf-zu-Lauf-Streuung der Peakwerte bei stabiler Dosis ist ein Indikator für zu geringe Abtastrate, nicht für einen instabilen Prozess. Das Nyquist-Kriterium fs ≥ 2 · fmax ist dabei absolute Untergrenze, für Amplitudentreue ist deutliche Überabtastung erforderlich.

Wo wird industrielle UV-Sensorik eingesetzt?

Elektronik und Halbleiter bilden mit 29,43 % Umsatzanteil (2025) das größte Endanwendersegment der UV-Härtung; andere Studien nennen 32 bis 35 %. Kritisch sind Conformal Coating und Vergussmassen mit engen Dosisfenstern; in der Lithographie kommen 248 nm (KrF) und 193 nm (ArF) zum Einsatz, in der VUV-Oberflächenreinigung 172 nm.

Automotive und E-Mobility sind in keinem volltextgeprüften UV-Härtungsreport quantifiziert; qualitativ genannt werden Batteriezellenmontage, Leistungselektronik-Bonding und Sensormodulverkapselung. Im Automatisierungsmarkt stellt Automotive mit 30,20 % die größte Endanwenderindustrie.

Printing und Packaging stehen für 35,25 % des UV-Härtungsumsatzes, mit Hybridmaschinen bis 450 m/min und Inline-LED-Arrays – die kritische Größe ist hier die Abtastrate über die volle Arbeitsbreite. Automatische Nachregelung der Härtungsintensität reduziert laut Marktanalyse die Fehlerquote um über 20 %, Prozesskontroll-Reporting Defekte um bis zu 30 % gegenüber manueller Inspektion.

Medizintechnik ist mit 18,38 % CAGR das schnellstwachsende Endanwendersegment der UV-Härtung und mit 28,23 % CAGR auch in der UV-Sensorik; Treiber sind Katheter- und Nadelverklebung sowie UV-C-Sterilisation.

UV-Desinfektion ist das am stärksten regulierte Feld: In Deutschland verlangt die Trinkwasseraufbereitung eine reduktionsäquivalente Fluenz von mindestens 400 J/m² bei 254 nm, UV-C-LED-Geräte sind derzeit nicht zugelassen; der Anlagenmarkt liegt bei 6,36 Mrd. USD (2025) mit 13,45 % CAGR.

Materialprüfung und Bewitterung arbeiten mit definierten Bestrahlungsstärken bei 310 bzw. 340 nm – mehr dazu unter UV-Alterung, Farbechtheit und Photostabilität –, die zerstörungsfreie Prüfung mit Quellen bei (365 ± 5) nm und Umgebungslicht ≤ 20 lx. In allen Fällen ist die kritische Größe dieselbe: die spektral korrekt bewertete Bestrahlungsstärke am Prüfort.

Wie misst man bei PWM-Betrieb, bewegtem Strahler und Nachrüstung in Bestandsanlagen?

PWM-Betrieb: Bei getakteten LEDs entscheidet die Integrationszeit darüber, ob ein Mittelwert oder ein zufälliger Ausschnitt gemessen wird. Zu unterscheiden sind CW-Wert (Mittelwert aller Abtastwerte eines Messintervalls), Peak Max/Min, Dosis (Integration der CW-Werte) und Impulsenergie (Integration bei maximaler Abtastrate über die Impulsdauer). Praktikable Regeln sind eine Integrationszeit als ganzzahliges Vielfaches der PWM-Periode und ein deaktiviertes Auto-Ranging.

Bewegte und robotergeführte Bestrahlung: Dreidimensionale Bauteile lassen sich nur mit bewegtem Strahler homogen belichten; industriell etabliert sind robotergeführte Trocknung und Arc-Lampen bei 600 mm/s mit konstantem Fokusabstand. Die Auslegung erfolgt zunehmend simulationsgestützt – analytisch nach der Bildquellenmethode mit Wandreflexionsgraden und Kosinus-Einfallswinkel oder über eine CAD-basierte Optiksimulation auf importierten Zielgeometrien. Simulation reduziert Messkampagnen, ersetzt sie aber nicht. Die auf dem bewegten Bauteil tatsächlich applizierte Dosis erfasst ein mitlaufender Datenlogger wie der curelog Base.

Retrofit in Fremdanlagen: Nachrüstung erfordert Abwägung zwischen Prozessnähe und Prozesseingriff – belegt durch die oben genannten Verlustwerte bei 13 gegenüber 38 mm Abstand. Für den Einbau in Bestandsanlagen mit engem Bauraum sind Inline-Sensoren ausgelegt. Zu klären sind zusätzlich Kühlung, Fenstertransmission, Verschmutzungsmanagement und die Reproduzierbarkeit der Einbaulage nach Wartung. Wo Messtechnik, Mechanik, Absicherung und Datenerfassung gemeinsam entstehen müssen, führt der Weg über den Sondermaschinenbau.

Welche Größen müssen gemessen oder überwacht werden?

Aus den Anwendungen ergibt sich eine Priorisierung. Zu überwachen ist primär die Bestrahlungsstärke am prozessnächsten zugänglichen Ort, daraus abgeleitet die Dosis als Zeitintegral, ergänzt um Sensor- und Quellentemperatur. Eine breitbandige Messung genügt, wenn die Quelle spektral stabil ist und der Sensor für genau diese Quelle kalibriert wurde. Eine spektrale Messung wird nötig, wenn Quellentypen gemischt, LED-Wellenlängen gewechselt oder Sensoren gegen Referenz abgeglichen werden. Eine räumlich aufgelöste Messung über die Arbeitsbreite ist erforderlich, sobald Strahlerfelder segmentiert oder Bauteile dreidimensional sind.

Ein realistisches Unsicherheitsbudget je Messstelle enthält Kalibrierung, spektrale Fehlanpassung, Winkelfehler, Linearität, Temperatur und Langzeitdrift. Ein publiziertes Referenzbeispiel führt spektral 4 %, Winkel 3 %, Linearität 3 %, Kalibrierung 5 %, Temperatur 3 % und Langzeitdrift 12 % zu einer Gesamtunsicherheit von 15 % zusammen – die Drift dominiert. Gerätekennwerte industrieller UV-Messtechnik liegen bei 4,5–7,0 % Kalibrierunsicherheit (k = 2), unter 1 % Linearitätsfehler und unter 3 %/Jahr Alterung. Wie sich die Belastbarkeit einer solchen Messkette statistisch nachweisen lässt, beschreibt der Fähigkeitsnachweis von UV-Messsystemen; die Rückführung übernimmt ein akkreditiertes Kalibrierlabor.

Die Anbindung an die Steuerung entscheidet, ob ein Messwert regelbar und auditierbar wird. Analoge Schnittstellen (0–10 V, 4–20 mA) liefern den skalierten Momentanwert und sind für Grenzwertüberwachung ausreichend. Modbus TCP überträgt Register über Ethernet und bleibt eine schlanke, universell verfügbare Basisschnittstelle; es kennt jedoch keine Semantik, keine Metadaten, keine Sessions und keine Sicherheitsrichtlinien. Auf der Sensorseite decken SPS-Sensoren mit analogem Ausgangssignal, der PLC.net mit Modbus TCP und JSON über HTTP sowie der PLC.D mit RS-485, RS-232 und USB diese Anbindungen ab.

IO-Link ergänzt genau die Lücke der Basisschnittstellen: Es unterscheidet vier Datenarten – Prozessdaten mit bis zu 32 Byte je Richtung, PortQualifier, Gerätedaten (Parameter, Identifikation, Diagnose) und Ereignisse wie Verschmutzung oder Überhitzung. Die Verbreitung wächst: 2025 wurden weltweit 9,7 Mio. neue IO-Link-Geräte bzw. Master-Ports installiert, bei einem Bestand von 71 Mio. Knoten; PROFINET kam auf 10,4 Mio. neue Knoten bei 89,2 Mio. Bestand.

Oberhalb der Feldebene liefert OPC UA das Informationsmodell; OPC UA FX wurde mit Diagnose- und LLDP-Modellierung veröffentlicht. Für die herstellerneutrale Beschreibung des Geräts selbst normiert IEC 63278-1:2023 die Verwaltungsschale; das Submodell Digital Nameplate stellt Typenschilddaten interoperabel bereit.

Neben dem Messwert gehören damit in den Datenstrom: Gerätestatus nach den vier NAMUR-NE-107-Signalen Ausfall, Funktionskontrolle, außerhalb der Spezifikation und Wartungsbedarf, Kalibrierstatus samt Ablaufdatum, Sensor-Seriennummer, Abtastrate und Spektralband. Der digitale Kalibrierschein liegt als XML-Format vor, das ISO/IEC-17025-konform sowohl maschinenlesbar als auch maschineninterpretierbar ist. Praktisch begrenzend bleibt die Infrastruktur: In der DACH-Region nutzen 58 % der Unternehmen dezentrale Datenverarbeitung, aber nur 16 % im Vollausbau.

Vom UV-Inline-Monitoring der Bestrahlungsstärke zu unterscheiden ist die Absorptions- und Transmissionsmessung in Flüssigkeiten – sie ist die Domäne der Prozessphotometer.

Wirksamste Gegenmaßnahme ist der periodische Abgleich gegen ein Referenzradiometer wie das RMD Pro. Die einzige normativ vollständig geregelte Praxis stammt aus der Trinkwasserdesinfektion: Der Gerätesensor darf maximal 5 % über der Referenz liegen, ein Abgleich ist bis 10 % zulässig, eine kumulierte Abgleichsumme über 20 % bedeutet Sensortausch, spätestens nach 10.000 h oder zwei Jahren; Kontrollintervalle sind halbjährlich bei ≤ 100 m³/h und monatlich darüber. Diese Logik lässt sich auf nicht regulierte Prozesse übertragen. Für UV-Messgeräte wird ein Rekalibrierintervall von 12 Monaten ab erster Bestrahlung empfohlen. Auditseitig verlangt das Prüfmittelmanagement nach ISO 9001 zusätzlich, bei festgestellter Fehlanzeige die Auswirkung auf bereits freigegebene Produkte zu bewerten – was voraussetzt, dass Zeitreihen mit Sensor-ID und Kalibrierhistorie vorliegen.

Was zeigen wissenschaftliche Veröffentlichungen?

Sechs Arbeiten liefern die fachliche Grundlage für die zentralen Aussagen dieses Textes zu Detektoralterung, Regelung und Sensorabgrenzung:

  1. Alterung von Detektormaterialien. Unter realistischer Prozesslast (90 h, 60 mW/cm², 80 °C) zeigte eine SiC-Photodiode keine messbare Degradation, während zwei AlGaN-Dioden im selben Test etwa −85 % Empfindlichkeit verloren. Die Materialwahl des Sensors entscheidet damit über die Gültigkeitsdauer der Kalibrierung. – Weiss, T.; Papathanasiou, K.; Krüger, S.: Aging behavior of AlGaN and SiC UV photodetectors, RadTech.
  2. Wellenlängenaufgelöste Detektordegradation. UV-optimierte Si-Photodioden verlieren im UV unter 5–6 % Empfindlichkeit, nicht optimierte Bauteile fallen bei 200 nm nahezu vollständig aus; oberhalb 300 nm war bei keiner Diode Degradation nachweisbar. – Quantification of UV Light-Induced Spectral Response Degradation, PMC10934760.
  3. Zuverlässigkeit von UV-C-LEDs. Die Auswertung von Bauteilen aus 14 bis 15 Herstellungen ergab nach 1.000 h nominal 90–95 % Restleistung, mit R70-Lebensdauern zwischen 1.000 h und über 10.000 h – ein Beleg, dass pauschale Herstellerangaben zur Lebensdauer eine Messung nicht ersetzen. – Onushkin et al.: J. Phys. Photonics 7:032002, 2025.
  4. Regelung auf die Prozessgröße. Eine FTIR-basierte Echtzeitregelung des Monomerumsatzes (2,0 s Abtastzeit, 5,4 ± 0,8 s Totzeit) kompensierte einen aufgeprägten 50-prozentigen Leistungsverlust der UV-Quelle vollständig – bislang im Labormaßstab gezeigt. – Hafkamp et al.: Real-time feedback controlled monomer conversion – a new paradigm for UV curing, RadTech.
  5. Restlebensdauerprognose. Gamma- und Wiener-Prozesse übertreffen den Industriestandard IESNA TM-21; ein LSTM-RNN senkte den Prognosefehler um 29,7 %. – Journal of Computational Design and Engineering 12(9):184, 2025.
  6. Spektrale Einordnung von 405 nm. Die keimtötende Wirkung bei 405 nm ist dem sichtbaren violett-blauen Licht zuzuordnen, nicht dem UV-Bereich – die Grundlage für die messtechnische Abgrenzung zwischen UV- und VIS-Sensorbändern. – Maclean et al.: J Hosp Infect, 2014.

Automatisierte UV-Prozesse in Kundenveröffentlichungen

Auch in den Veröffentlichungen von Opsytec-Kunden taucht die automatisierte und überwachte UV-Bestrahlung in mehreren Facetten auf – von der robotergeführten Härtung bis zur Dosiserfassung an getakteten Quellen.

Beschreibt die robotergeführte UV-Härtung dreidimensionaler Bauteile mit konstantem Fokusabstand – die industrielle Praxis hinter der oben genannten bewegten Bestrahlung.
Schnelle und zuverlässige 3D-Lackhärtung
Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. "Schnelle und zuverlässige 3D-Lackhärtung." JOT Journal für Oberflächentechnik 58.5 (2018): 20-21.

Bewertet einen experimentellen UV-C-Roboter unter kontrollierten Bedingungen und im realen Krankenhausbetrieb – eine bewegte Quelle mit wechselnder Geometrie, deren Wirkung radiometrisch belegt werden muss.
Antimicrobial efficacy of an experimental UV-C robot in controlled conditions and in real hospital scenario
Casini, Beatrice, et al. "Antimicrobial efficacy of an experimental UV-C robot in controlled conditions and in real hospital scenario." Journal of Hospital Infection (2024).

Verfolgt einen Silikonklebstoff unter UV-Exposition im Hochvakuum mit einem einzigen Multiparametersensor – Prozessüberwachung unter Bedingungen, in denen kein Referenzradiometer mehr an den Messort passt.
Multiparameter Single Sensor for Space Silicone Adhesive Monitoring Under High-Vacuum Ultraviolet Exposure
Fazzi, Luigi, et al. "Multiparameter Single Sensor for Space Silicone Adhesive Monitoring Under High-Vacuum Ultraviolet Exposure." Journal of Spacecraft and Rockets 60.3 (2023): 740-752.

Dokumentiert die Entkeimung von Gewürzpulver mit gepulstem Licht über die applizierte Dosis – Impulsbetrieb, wie ihn auch getaktete UV-LED-Linien erzeugen.
Pulsed light treatment reduces microorganisms and mycotoxins naturally present in red pepper (Capsicum annuum L.) powder
Woldemariam, Henock Woldemichael, et al. "Pulsed light treatment reduces microorganisms and mycotoxins naturally present in red pepper (Capsicum annuum L.) powder." Journal of Food Process Engineering 45.2 (2022): e13948.

Weitere Arbeiten aus allen Anwendungsfeldern stehen unter Veröffentlichungen von Kunden nach Themen.

FAQ zu UV-Messtechnik in der Automatisierung

Warum reicht die Lampenleistung als Prozessgröße nicht aus?
Zwischen elektrischer Leistung und Wirkung am Bauteil liegen Wandlungswirkungsgrad, Quellenalterung, Verschmutzung, Fenstertransmission, Abstand und Einfallswinkel. UV-C-LEDs fallen allein in den ersten rund 100 Betriebsstunden auf 50–70 % ihres Anfangswerts. Geregelt und dokumentiert werden muss deshalb die am Wirkort gemessene Bestrahlungsstärke, nicht der Anlagenzustand. Die dahinterliegenden Definitionen und Einheiten führt die Übersicht der radiometrischen Größen.

Wann genügt ein Breitbandsensor, wann ist eine spektrale Messung nötig?
Ein Breitbandsensor genügt, wenn die Quelle spektral stabil ist und der Sensor für genau diese Quelle kalibriert wurde. Bei Quellenwechsel, gemischten Quellentypen oder schmalbandigen LEDs entstehen Abweichungen von 9 bis 91 % je nach Sensor-Quellen-Kombination. Dann ist eine spektrale Messung oder ein dokumentierter Mismatch-Korrekturfaktor erforderlich.

Welche Abtastrate ist für eine schnelle Linie erforderlich?
Als Auslegungsregel gilt fs ≳ N · v / L mit N ≈ 20 Abtastwerten in der Bestrahlungszone. Bei 25 mm Fensterlänge und 120 m/min ergeben sich mindestens 1.600 Hz; für schnelle LED- und Digitaldruckanwendungen werden 2.048 Hz empfohlen. Mit 128 Hz wird der Peak bei hohen Geschwindigkeiten praktisch zufällig erfasst.

Gilt H = E · t immer?
Nein. Die Gleichung setzt zeitlich konstante Bestrahlungsstärke voraus. Bei PWM-Betrieb, alternden Quellen oder bewegten Substraten ist die Dosis als echtes Zeitintegral zu erfassen. Zudem ist Reziprozität kein Naturgesetz der Polymerisation: Ein PWM-Prozess erreichte mit 10 J/cm² ein besseres Ergebnis als CW-Betrieb mit 14 J/cm².

Ist 405 nm UV-Strahlung?
Normativ nicht: Die CIE-Obergrenze für UV-A liegt bei 400 nm, und 405 nm wird in der Fachliteratur als sichtbares violett-blaues Licht geführt. Industriell zählt 405 nm dennoch zu den UV-Härtungswellenlängen. Ein Messwert bei 405 nm ist nur mit Angabe von Norm oder Sensorband interpretierbar.

Wie oft muss ein Prozess-UV-Sensor abgeglichen oder rekalibriert werden?
Für UV-Messgeräte werden 12 Monate ab erster Bestrahlung empfohlen. In der Trinkwasserdesinfektion ist der Referenzvergleich halbjährlich bzw. monatlich vorgeschrieben, Abgleich bis 10 % zulässig, ab 20 % kumuliert folgt Sensortausch. Diese Logik ist auf nicht regulierte Prozesse übertragbar.

Welche Daten sollte ein UV-Sensor neben dem Messwert liefern?
Gerätestatus nach NAMUR NE 107 mit den Signalen Ausfall, Funktionskontrolle, außerhalb der Spezifikation und Wartungsbedarf, Diagnoseereignisse wie Verschmutzung oder Überhitzung, Seriennummer, Kalibrierstatus, Abtastrate und Spektralband. Ohne diese Metadaten ist ein Messwert nicht auditierbar.

Welche Schnittstelle passt zu welcher Aufgabe?
Analoge Ausgänge (0–10 V, 4–20 mA) eignen sich für Grenzwertüberwachung, Modbus TCP als schlanke Ethernet-Basisschnittstelle für Messwerte. Semantik, Identifikation und Diagnosekontext lassen sich damit nicht transportieren; dafür sind IO-Link mit IODD, OPC-UA-Informationsmodelle oder AAS-Submodelle nötig.

Verwandte Anwendungsfelder

Der Weg vom Messwert zur Prozessfreigabe stellt sich in mehreren Feldern gleich: In der Verpackung und Abfülltechnik muss der UV-Schritt im Takt eine Freigabeentscheidung erzeugen, in der Automobilindustrie ist die Dosis das Integral entlang einer robotergeführten Bahn, und in der Licht- und Displaymesstechnik wandert die photometrische Prüfung von der Stichprobe im Labor an das Bandende. Dieselbe Prozesskette taucht im UV-Kleben, Vergießen und Verkapseln, in der Transmissionsprüfung für Laserprozesse und in der Fluoreszenzprüfung und industriellen Inspektion auf.

Fachexperte

Autor: Dr. Mark Paravia

Dr.-Ing. Mark Paravia ist Geschäftsführer der Opsytec Dr. Gröbel GmbH in Ettlingen und leitet das akkreditierte Kalibrierlabor. Nach seiner Forschung zu gepulsten Xenon-Excimer-Entladungen am Lichttechnischen Institut des KIT gilt sein Schwerpunkt heute der optischen Strahlungsmesstechnik. Er ist anerkannter UV-Experte, stellvertretender Obmann im DIN-Normungsausschuss FNL 7 „Optische Strahlung" und Mitglied im DVGW-Projektkreis UV-Desinfektion.

Beratung zur UV-Prozessintegration

Unklar, ob der Messwert einer bestehenden Anlage die Bestrahlungsstärke im tatsächlichen Fügespalt beschreibt – oder nur den Zustand eines Sensors, dessen Spektralband nicht zur eingesetzten LED-Wellenlänge passt? Die Klärung beginnt mit drei Angaben: Sensorband, Abtastrate und Datum der letzten rückführbaren Kalibrierung. Auf dieser Basis beurteilen wir mit Ihnen, ob Ihr Prozessfenster überwacht oder nur ein Betriebszustand angezeigt wird – schreiben Sie uns Ihre Fragestellung.