UV-Messtechnik für additive Fertigung und 3D-Druck
Lichtbasierte 3D-Druckverfahren erzeugen Bauteile durch räumlich kontrollierte Photopolymerisation – und bei den meisten Harzen entsteht der Endzustand erst in der Nachhärtung danach. Eine feste Nachhärtezeit ist deshalb nur so lange übertragbar, wie Quelle, Abstand, Temperatur und Bauteilgeometrie gleich bleiben. Reproduzierbar wird der Schritt erst über Wellenlänge, Bestrahlungsstärke, Dosis und Homogenität.
Wie entwickelt sich der Markt der additiven Fertigung?
Die additive Fertigung ist längst aus der Prototypenphase heraus. Der Wohlers Report 2026 beziffert den weltweiten Umsatz der Branche für 2025 auf rund 24,2 Mrd. US-Dollar, ein Plus von 10,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Grand View Research kommt mit einer breiteren Marktabgrenzung auf 30,6 Mrd. US-Dollar für 2025 und erwartet bis 2033 eine jährliche Wachstumsrate von 23,9 Prozent. Unabhängig von der genauen Abgrenzung zeigt sich eine gemeinsame Richtung: zweistelliges Wachstum bei einer zunehmend reifer werdenden Branche.
Bemerkenswerter als die Gesamtsumme ist die Struktur des Marktes: Druckdienstleistungen machen mit 48 Prozent den größten und mit 15,5 Prozent Wachstum auch den am schnellsten wachsenden Anteil aus – deutlich vor Systemverkauf und Servicegeschäft (26 Prozent, plus 3,6 Prozent), Materialien (20 Prozent) und Software (6 Prozent). Der Markt verschiebt sich damit von der Installation neuer Anlagen hin zur produktiven Auslastung vorhandener Kapazität – und genau dort wird Reproduzierbarkeit zum Wettbewerbsfaktor.
Automobil sowie Luft- und Raumfahrt dominierten 2025 als Endanwenderbranchen. Besonders dynamisch entwickeln sich Gesundheitswesen und Dentalbranche mit patientenspezifischen Implantaten, Alignern, Kronen und Brücken – Anwendungen mit hohen Anforderungen an Reproduzierbarkeit und damit struktureller Nähe zum Kernnutzen der UV-Messtechnik.
Relevante Technologien und Verfahren
Für UV-basierte Verfahren sind vor allem die Vat-Photopolymerisationen relevant: Stereolithographie (SLA), Digital Light Processing (DLP) und maskenbasierte LCD-Verfahren, in der Forschung ergänzt um volumetrische Ansätze. SLA hielt 2025 mit 17,5 Prozent den größten Technologieanteil, während DLP als am schnellsten wachsende Technologie gilt – getrieben unter anderem durch Dental-Aligner, Hörgeräte und Schmuckguss. Diese Verfahren unterscheiden sich in Spot- beziehungsweise Pixelgröße, optischer Projektion, Harzchemie, Schichtdicke und Belichtungsstrategie – aber sie teilen dieselbe Abhängigkeit von der tatsächlich eingebrachten optischen Energie.
Aktuelle Trends 2025/2026
- Von der Installation zur Auslastung: Wachstum entsteht zunehmend durch bessere Nutzung vorhandener Kapazität statt durch neue Anlagenverkäufe.
- KI und Industrie 4.0: generatives Design, KI-gestützte Qualitätskontrolle, digitale Zwillinge und cloudbasierte Fertigungsplattformen gewinnen an Bedeutung.
- Wachsender Desktop-Polymer-Markt: der Zugang zur Vat-Photopolymerisation verbreitert sich (AMPOWER Report).
- Investitionsdisziplin: restriktivere Kapitalbedingungen führen zu selektiveren Investitionen.
- Multi-Material- und Hybridverfahren erweitern das Anwendungsspektrum über klassisches Prototyping hinaus in die Serienproduktion.
Die Verschiebung vom Hardware-Verkauf zur Produktionsauslastung, das überdurchschnittliche Wachstum von SLA und DLP sowie die Dynamik in Dental- und Medizinanwendungen sprechen strukturell für steigenden Bedarf an genau der UV-Mess- und Nachhärtungstechnik, die im Folgenden beschrieben wird.
Welche Segmente treiben den Bedarf an UV-Messtechnik?
Vier Felder zeigen besonders deutlich, warum präzise UV-Messtechnik in der additiven Fertigung an Bedeutung gewinnt: Dental und Medizintechnik als reife, stark regulierte Anwendungsfelder der Vat-Photopolymerisation, dazu die Mikro- und Präzisionsfertigung sowie die industrielle Photopolymerisation als Wachstumsbereiche am oberen Ende der Auflösungs- beziehungsweise Stückzahlskala. Alle vier teilen dieselbe Grundanforderung: reproduzierbare Bestrahlungsstärke, Dosis und Homogenität als Voraussetzung für Maßhaltigkeit, Festigkeit und Zulassungsfähigkeit der Bauteile.
Dentaler 3D-Druck
Der globale Markt für den dentalen 3D-Druck wird für 2026 je nach Abgrenzung auf 4,3 bis 6,3 Mrd. US-Dollar beziffert, bei jährlichen Wachstumsraten von 16 bis 25 Prozent (Marktbericht Dental-3D-Druck, Mordor Intelligence; Marktprognose Dental-3D-Druck, Precedence Research). Die Vat-Photopolymerisation dominiert dabei klar: SLA hält rund 34 Prozent Volumenanteil, DLP wächst mit 17,7 Prozent jährlich am schnellsten, und Photopolymer-Harze stellen über 60 Prozent des Materialeinsatzes für Aligner, Kronen, Brücken und Bohrschablonen (US-Marktbericht Dental-3D-Druck, Mordor Intelligence). Lichthärtungsgeräte sind bereits das größte Gerätesegment (Marktbericht Lichthärtungsgeräte, Market Report Analytics) – und damit entscheiden Bestrahlungsstärke und Dosis bei 385 und 405 nm unmittelbar über Passgenauigkeit und Biokompatibilität.
Medizintechnik
Die additive Fertigung für Medizinprodukte wächst von 4,6 Mrd. US-Dollar im Jahr 2025 auf prognostizierte 23,9 Mrd. US-Dollar bis 2035, also um 17,9 Prozent jährlich; der breiter gefasste Markt für additive Fertigung im Gesundheitswesen soll im selben Zeitraum von 13,3 auf rund 82,3 Mrd. US-Dollar steigen (Marktprognose Medizinprodukte, Precedence Research; Marktprognose Gesundheitswesen, Precedence Research). SLA führt mit 29,5 Prozent Technologieanteil, patientenspezifische Implantate stellen mit 43,8 Prozent das größte Einzelsegment (Technologieanteile, IMARC Group). Strenge Zulassungs- und Biokompatibilitätsanforderungen – etwa nach der Normenreihe ISO 10993 – setzen eine rückverfolgbare, reproduzierbare UV-Nachhärtung voraus: eine dokumentierte Dosis statt einer eingestellten Zeit, belegt über Spektrum, Bestrahlungsstärke und Homogenität.
Mikro- und Präzisionsfertigung
Die Zwei-Photonen-Polymerisation treibt die Miniaturisierung voran: Femtosekundenlaser im nahen Infrarot, meist um 780 nm, erzeugen Mikrostrukturen mit Auflösungen bis herab zu 100 nm (Übersichtsarbeit zur Zwei-Photonen-Polymerisation) – ein eigenständig wachsender Markt für Mikrooptiken, Photonik und biomedizinische Gerüststrukturen (Marktbericht Zwei-Photonen-Polymerisation, Research and Markets). Parallel verschiebt sich die industrielle Photopolymerisation vom Prototyping zur Serienfertigung funktionaler Endbauteile in Elektronik, Sensorik und Präzisionsmechanik (Grand View Research). Damit rückt ein Bereich jenseits von UV-A in den Blick: Kalibrierungen im nahen Infrarot für die Zwei-Photonen-Polymerisation und engere Toleranzen für Homogenität und Wiederholgenauigkeit in der industriellen Serienfertigung.
Verfahren und ihr UV-Messbedarf
Der Markt verschiebt sich dabei zunehmend in Richtung spezialisierter UV-basierter Prozesse. Bei den photopolymerbasierten Verfahren – SLA, DLP und maskenbasierte LCD- beziehungsweise MSLA-Systeme – wie auch bei der UV-Nachhärtung entscheiden präzise Charakterisierung und reproduzierbare Kontrolle der Belichtung über Prozessqualität, Materialverhalten und Bauteileigenschaften.
Neben den etablierten Anwendungen gewinnen Forschungsfelder wie die Zwei-Photonen-Polymerisation, die volumetrische additive Fertigung und das Bioprinting an Bedeutung. Daraus ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an die Messung von Spektrum, Bestrahlungsstärke, Dosis und Homogenität – die folgende Übersicht ordnet sie den Segmenten zu.
| Marktsegment | UV-Messbedarf |
|---|---|
| SLA | Spektrum, Bestrahlungsstärke, Dosis |
| DLP | Projektion, Homogenität, Dosis |
| LCD und MSLA | UV-LED-Leistung, Dosis, Alterung |
| UV-Nachhärtung | Dosis, Homogenität |
| Zwei-Photonen-Polymerisation | spektrale Charakterisierung |
| Volumetrische additive Fertigung | Spektrum, Dosisverteilung, Photochemie |
| Bioprinting und Hydrogel-Druck | Photopolymerisation, Materialverträglichkeit |
| Keramische additive Fertigung | photopolymerbasierte Prozessführung |
| Dentaler 3D-Druck | reproduzierbare Belichtung und Nachhärtung |
| Medizintechnik | Prozessvalidierung und Reproduzierbarkeit |
| Elektronik und Mikrofertigung | hochpräzise Photopolymerisation |
| Forschung und Entwicklung | Spektrometrie und Prozessentwicklung |
Wo wirkt optische Strahlung im Fertigungsprozess?
Optische Strahlung wirkt an zwei Stellen. Während des Drucks bestimmt sie, welche Bereiche des Harzes polymerisieren; hier zählen Auflösung, Kantenschärfe und die Frage, wie tief die Reaktion in die darunterliegende Schicht reicht. Nach dem Druck sorgt eine zusätzliche Bestrahlung dafür, dass verbliebene reaktive Gruppen umgesetzt werden.
Diese beiden Aufgaben stellen unterschiedliche Anforderungen an die Messung. Bei einem Projektionssystem geht es um die räumliche Gleichmäßigkeit über die Bildebene. Bei einer Nachhärtekammer geht es darum, ob eine komplexe Bauteiloberfläche rundum eine ausreichende Dosis erhält. Beides lässt sich nicht mit derselben Messung beantworten.
Was begrenzt die Eindringtiefe der Belichtung?
Die Belichtung eines Harzes ist ein Zusammenspiel aus optischer Eindringtiefe und Reaktionsdiffusion. Absorber und Photoinitiator werden so eingestellt, dass die Polymerisation nicht unkontrolliert in die Tiefe läuft – sonst verlieren feine Strukturen ihre Kontur. Zugleich verändert die Reaktion die optischen Eigenschaften des Harzes, während sie abläuft.
Deshalb ist eine Belichtungskurve, die an einem dünnen Prüfkörper aufgenommen wurde, bei komplexen Geometrien oder einer anderen Harzcharge nicht automatisch gültig. Prozessfenster sollten daher nicht nur in Sekunden beschrieben werden, sondern über Spektrum, Bestrahlungsstärke und Dosis – Größen, die sich zwischen Geräten und über die Zeit vergleichen lassen.
Rechenbeispiel: Wie viel Tiefe bringt die doppelte Dosis?
Die Haertetiefe eines Harzes folgt der Arbeitskurve nach Jacobs: Cd = Dp · ln(E / Ec). Darin ist Dp die optische Eindringtiefe des Harzes, Ec die kritische Energie, ab der die Polymerisation überhaupt einsetzt, und E die eingebrachte Dosis. Beide Harzkennwerte sind chargenabhängig und müssen am eigenen Material bestimmt werden – für das Beispiel seien Dp = 0,15 mm und Ec = 10 mJ/cm² angenommen.
Bei einer Dosis von 25 mJ/cm² ergibt sich eine Härtetiefe von 0,15 mm · ln(2,5) = 0,137 mm, also 137 µm. Bei einer Schichtdicke von 50 µm reicht die Reaktion damit 87 µm in die schon gedruckte Schicht hinein – diese Überhärtung ist gewollt, sie verbindet die Schichten.
Wird die Dosis auf 50 mJ/cm² verdoppelt, wächst die Härtetiefe auf 0,15 mm · ln(5) = 0,241 mm. Das sind 104 µm mehr, nicht die doppelten 137 µm: Der Logarithmus dämpft den Gewinn. Die Überhärtung dagegen steigt von 87 auf 191 µm, also auf mehr als das Doppelte. Genau daran scheitert der naheliegende Griff, unterbelichtete Bereiche einfach mit mehr Dosis zu retten – in der Tiefe gewinnt man wenig, an feinen Konturen verliert man Kantenschärfe.
Für die Nachhärtung gilt derselbe Zusammenhang, nur mit anderem Vorzeichen: Dort ist die Frage nicht die Kontur, sondern ob die Dosis bis in den Kern reicht. Wie tief eine UV-Nachhärtung in stereolithographisch gefertigte Bauteile hineinwirkt und ab wann die Vernetzung über den Querschnitt gleichmäßig wird, hat Schlotthauer et al. gemessen – die Arbeit ist unten unter den Veröffentlichungen aufgeführt.
Welche Eigenschaften entstehen erst in der Nachhärtung?
Die Nachhärtung ist kein kosmetischer Schritt. Sie erhöht den Umsetzungsgrad und verändert damit Glasübergang, Elastizitätsmodul, Festigkeit, Maßhaltigkeit und chemische Beständigkeit. Umgekehrt können zu hohe Dosen oder eine ungeeignete Wellenlänge Abbauprozesse anstoßen – derselbe Vorgang, der bei der UV-Alterung gezielt untersucht wird, findet hier unbeabsichtigt statt.
Der kritische Punkt ist die Homogenität. Bei einem Bauteil mit Hinterschneidungen, Vertiefungen oder Rückseiten erhalten nicht alle Flächen dieselbe Dosis; frei exponierte Bereiche können längst durchgehärtet sein, während abgeschattete Zonen zurückbleiben. Für Versuchsreihen und Qualitätssicherung lohnt sich deshalb die Frage, wie weit Maximum, Minimum und Mittelwert über der nutzbaren Fläche auseinanderliegen – und nicht nur, wie hoch der Mittelwert ist. Eine Optiksimulation kann bei der Auslegung zeigen, wie sich Abstand und Position auf das Strahlungsfeld auswirken; die Freigabe bleibt eine Messung am realen Aufbau.
Welche Messtechnik eignet sich für Druck und Nachhärtung?
Für die Charakterisierung von Druckern, Nachhärtegeräten und LED-Modulen ist eine spektrale Messung aufschlussreich: Zwei Geräte mit nominell gleicher Wellenlänge können sich in Peaklage, Bandbreite und Nebenemissionen unterscheiden – und genau das wird relevant, wenn ein Harz ein enges photochemisches Prozessfenster hat. Das flache UVpad passt dafür auch in Bauräume mit geringer Höhe; wo ein größerer Spektralbereich gebraucht wird, deckt das SR900 von 200 bis 1100 nm ab.
Für die laufende Kontrolle einer eingefahrenen Nachhärtung genügt ein Radiometer wie das RMD Pro mit passendem Sensor – die Auswahl ist unter Auswahl von UV-Sensoren beschrieben. Reproduzierbare Laborbedingungen schaffen Bestrahlungskammern; eine Dosissteuerung wie der UV-MAT beendet die Nachhärtung bei Erreichen der Zieldosis statt nach einer festen Zeit. Damit bleibt die Exposition auch dann gleich, wenn die Lampenleistung über die Betriebszeit nachlässt.
Welche Messung brauche ich?
Der Anlass entscheidet über das Messverfahren. Die folgende Übersicht ordnet typische Fragestellungen aus dem Druck- und Nachhärtebetrieb der Messgröße zu, die sie beantwortet – und der Technik, die diese Größe liefert.
| Anlass | Was gemessen werden sollte | Geeignete Messtechnik |
|---|---|---|
| Das Druckergebnis verändert sich trotz gleicher Belichtungszeit | Bestrahlungsstärke und Spektrum | Spektralradiometer |
| Eine UV-LED verliert Leistung | Bestrahlungsstärke und Dosis | UV-Radiometer |
| Die Nachhärtung ist nicht reproduzierbar | Dosis | Radiometer mit Dosisüberwachung |
| Ein Bauteil ist an einer Seite stärker ausgehärtet | Homogenität über die Nutzfläche | Flächenmessung an mehreren Messpunkten |
| Ein neues Harz wird eingeführt | Spektrum und Dosis | Spektralradiometer |
| Verschiedene Drucker liefern verschiedene Ergebnisse | spektrale Vergleichsmessung | Spektralradiometer |
| Eine UV-Quelle altert | zeitlicher Verlauf der Bestrahlungsstärke | Radiometer mit Datenaufzeichnung |
| Der Prozess soll automatisiert werden | Dosisgrenzwert als Abschaltkriterium | Radiometer mit Prozesssteuerung |
Die Zuordnung ist bewusst grob: Sobald Wellenlänge, Bauraumhöhe oder Umgebungstemperatur eng werden, entscheidet der konkrete Aufbau über den passenden Sensor.
Welcher Spektralbereich ist für welchen Prozessschritt relevant?
Nicht jeder Spektralbereich ist für die additive Fertigung gleich wichtig. Die folgende Übersicht ordnet die praxisrelevanten Bänder ihrem jeweiligen Nutzen im Prozess zu.
| UV-B 280–315 nm | Simulierte Bewitterung nach ASTM G154 zur Prüfung des UV-Festigkeitsverlusts gedruckter Bauteile; Randbereich einiger Photoinitiator-Absorptionsspektren |
| UV-A – Kernbereich 315–400 nm | Dominierende Prozesswellenlänge der Vat-Photopolymerisation: SLA-Laser bei 355 nm, DLP- und LCD-Systeme bei 385 und 405 nm; zugleich der Kernbereich der UV-Nachhärtung |
| Sichtbar, violett bis blau etwa 380–460 nm | Harze für Tageslichtsysteme und einzelne Hochleistungssysteme; optische Qualitätskontrolle, Farbmetrik und Prüfung der Kantenschärfe in der Projektionsebene |
| NIR (IR-A) 780–1400 nm | Zwei-Photonen-Polymerisation mit Femtosekundenlasern um 780 nm für hochauflösende Mikrostrukturen; NIR-Spektroskopie zur Inline-Prüfung von Feuchte und Material bei Harzen und Pulvern |
| IR-C, mittleres und fernes Infrarot 3000 nm bis 1 mm | CO₂-Laser bei 10,6 µm für das selektive Lasersintern; FTIR-Spektroskopie zur Quantifizierung des Umsetzungsgrads nach der Nachhärtung |
Der Kernbereich UV-A deckt das eigentliche Prozessfenster der Vat-Photopolymerisation ab und wird von UVpad und SR900 vollständig erfasst. Die übrigen Bereiche sind für angrenzende Prüf- und Spezialverfahren relevant – von der Bewitterungsprüfung bis zur FTIR-Erfolgskontrolle der Nachhärtung.
Welche Forschungsfragen zeigen die Veröffentlichungen?
Die folgenden Arbeiten von Anwendern decken beide Seiten ab: die Herstellung und Nachbehandlung additiv gefertigter Bauteile ebenso wie deren Verhalten unter späterer UV-Belastung.
Bestimmt, wie tief eine UV-Nachhärtung in stereolithographisch gefertigte Bauteile reicht, und wann die Vernetzung über den Querschnitt gleichmäßig wird.
Evaluation of UV post-curing depth for homogenous cross-linking of stereolithography parts
Schlotthauer, Tristan, Jan Nitsche, and Peter Middendorf. "Evaluation of UV post-curing depth for homogenous cross-linking of stereolithography parts." Rapid Prototyping Journal 27.10 (2021): 1910-1916.
Entwickelt eine Hydrogel-Plattform für die volumetrische additive Fertigung, bei der das Bauteil nicht schichtweise, sondern im Volumen belichtet wird.
A versatile and high-resolution hydrogel platform for volumetric additive manufacturing based on poly(ethylene glycol) diacrylate and alginate blends
Hall, Patrick, et al. "A versatile and high-resolution hydrogel platform for volumetric additive manufacturing based on poly(ethylene glycol) diacrylate and alginate blends." (2024).
Überträgt die lichtbasierte Fertigung auf Keramik und erzeugt gradierte Werkstoffe für medizinische Implantate.
Process development for additive manufacturing of functionally graded alumina toughened zirconia components intended for medical implant application
Schwarzer, Eric, et al. "Process development for additive manufacturing of functionally graded alumina toughened zirconia components intended for medical implant application." Journal of the European Ceramic Society 39.2-3 (2019): 522-530.
Verbindet druckbare Epoxid-Vitrimere mit der Frage, wie sich solche Netzwerke nach der Fertigung noch umformen lassen.
Synthesis and Characterization of 3D-Printable Epoxy-Based Vitrimers
Höller, Rita. "Synthesis and Characterization of 3D-Printable Epoxy-Based Vitrimers."
Betrachtet UV nicht als Werkzeug, sondern als Belastung: der Festigkeitsverlust gedruckter Bauteile unter Bestrahlung.
Mechanical property degradation of polylactic acid (PLA) 3D printed parts under ultraviolet radiation
Zapciu, Aurelian, et al. "Mechanical property degradation of polylactic acid (PLA) 3D printed parts under ultraviolet radiation." International Symposium on Industrial Engineering and Automation. Cham: Springer International Publishing, 2022.
Zeigt am Photolack eines Zwei-Photonen-Verfahrens, dass die Belichtung nicht nur die Form, sondern auch den Brechungsindex des fertigen Materials festlegt.
Exposure-dependent refractive index of Nanoscribe IP-Dip photoresist layers
Dottermusch, Stephan, et al. "Exposure-dependent refractive index of Nanoscribe IP-Dip photoresist layers." Optics Letters 44.1 (2018): 29-32.
Das Themenfeld Additive Fertigung und Materialdesign umfasst derzeit acht Arbeiten; die Gesamtübersicht steht unter Veröffentlichungen von Kunden nach Themen.
Fachliche Grundlagen und weiterführende Quellen
Begriffe und Verfahren. Die Terminologie der additiven Fertigung ist in ISO/ASTM 52900:2021 festgelegt; die hier behandelten Verfahren fallen unter die Vat-Photopolymerisation. Das physikalische Modell der Belichtungstiefe ist die Arbeitskurve nach Jacobs (P. F. Jacobs, Rapid Prototyping & Manufacturing: Fundamentals of StereoLithography, SME 1992), aus der sich Härtetiefe, kritische Energie und optische Eindringtiefe eines Harzes bestimmen lassen.
Prüfung und Zulassung. Für Medizinprodukte gilt die Normenreihe ISO 10993 zur biologischen Beurteilung – Rahmenteil ISO 10993-1:2018 – sie ist der Grund, warum eine dokumentierte Dosis an die Stelle einer eingestellten Zeit tritt. Das Verhalten gedruckter Bauteile unter späterer Strahlungsbelastung wird nach ASTM G154-23 in simulierter Bewitterung geprüft; die Grundlagen dazu stehen unter UV-Alterung und Farbechtheit von Kunststoffen.
Messgrößen und Messkette. Bestrahlungsstärke, Bestrahlung (Dosis) und ihre Einheiten führt die Übersicht der radiometrischen Größen. Warum ein breitbandig bewertender Sensor an einer schmalbandigen UV-LED systematisch abweicht, beschreibt der Beitrag zur spektralen Fehlanpassung; die Charakterisierung von UV-Radiometern behandelt CIE 220:2016, die spektrale Bestrahlungsstärke einer Quelle wird nach CIE 250:2022 gemessen. Die Rückführung der eingesetzten Sensorik auf nationale Normale leistet das nach DIN EN ISO/IEC 17025:2018-03 akkreditierte Kalibrierlabor. Einen Überblick über die einschlägigen UV-Regelwerke gibt Richtlinien, Normen und Standards im UV.
FAQ zu UV-Messtechnik in der additiven Fertigung
Welche Wellenlängen nutzen SLA, DLP und LCD?
SLA-Systeme arbeiten überwiegend mit Lasern bei 355 nm, DLP- und LCD- beziehungsweise MSLA-Systeme mit UV-LEDs bei 385 und 405 nm. Damit liegt das eigentliche Prozessfenster der Vat-Photopolymerisation im UV-A-Bereich zwischen 315 und 400 nm, der auch die Nachhärtung abdeckt. Harze für Tageslichtsysteme reichen bis in den violett-blauen Bereich um 460 nm hinein, die Zwei-Photonen-Polymerisation dagegen arbeitet mit Femtosekundenlasern um 780 nm im nahen Infrarot.
Warum ist eine feste Nachhärtezeit nicht übertragbar?
Weil die Zeit nur so lange dieselbe Dosis bedeutet, wie Quelle, Abstand, Temperatur und Bauteilgeometrie gleich bleiben. Lässt die Leistung der Quelle über die Betriebsdauer nach, sinkt die eingebrachte Dosis bei unveränderter Zeit – und der Umsetzungsgrad mit ihr, ohne dass es am Gerät sichtbar wird. Reproduzierbar wird der Schritt erst, wenn die Nachhärtung bei Erreichen einer Zieldosis endet statt nach Ablauf einer Uhr.
Wie tief reicht die Belichtung in das Harz?
Sie folgt der Arbeitskurve nach Jacobs und wächst damit logarithmisch mit der Dosis: Die doppelte Dosis bringt nicht die doppelte Härtetiefe. Maßgeblich sind die optische Eindringtiefe und die kritische Energie des Harzes, und beide sind chargenabhängig. Deshalb ist eine Belichtungskurve, die an einem dünnen Prüfkörper aufgenommen wurde, bei komplexen Geometrien oder einer anderen Harzcharge nicht automatisch gültig. Das Rechenbeispiel oben zeigt, wie stark die Überhärtung dabei zunimmt.
Wie prüft man die Homogenität einer Nachhärtekammer?
Über mehrere Messpunkte auf der nutzbaren Fläche – und ausgewertet werden Maximum, Minimum und Mittelwert, nicht der Mittelwert allein. Erst der Abstand zwischen bestem und schlechtestem Punkt sagt, ob ein Bauteil mit Hinterschneidungen oder Rückseiten rundum genug Dosis erhält. Eine Optiksimulation kann bei der Auslegung zeigen, wie Abstand und Position auf das Strahlungsfeld wirken; die Freigabe bleibt eine Messung am realen Aufbau.
Verwandte Anwendungsfelder
Der lichtinduzierte Aufbau eines Bauteils teilt seine Physik mit mehreren Nachbarfeldern: Die UV-Härtung und Photopolymerisation beschreibt dieselbe Vernetzungsreaktion für flächige Schichten statt für Schichtstapel, Optik und Präzisionsbauteile behandelt den Inkjetdruck optischer Elemente aus Hybridpolymeren, und in der Transmissionsprüfung für Laserprozesse tauchen additiv gefertigte Fügepartner als eigene Werkstoffklasse mit richtungsabhängiger Streuung wieder auf. Wie sich gedruckte Bauteile später unter Strahlung verhalten, behandelt UV-Alterung, Farbechtheit und Photostabilität.
Autor: Dr. Mark Paravia
Dr.-Ing. Mark Paravia ist Geschäftsführer der Opsytec Dr. Gröbel GmbH in Ettlingen und leitet das akkreditierte Kalibrierlabor. Nach seiner Forschung zu gepulsten Xenon-Excimer-Entladungen am Lichttechnischen Institut des KIT gilt sein Schwerpunkt heute der optischen Strahlungsmesstechnik. Er ist anerkannter UV-Experte, stellvertretender Obmann im DIN-Normungsausschuss FNL 7 „Optische Strahlung" und Mitglied im DVGW-Projektkreis UV-Desinfektion.
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